Abizeitung

Jugend forscht vs. Kursleiter Physik?

ein Selbstversuch mit ungeahnten Folgen

Es war einmal… genauso beginnen bekanntlich alle Märchenerzählungen, das ist allgemein bekannt. Nur, aus exakt diesem Grund kann und darf ich hier die berühmten 3 Worte nicht gebrauchen, denn Märchen sind bekanntlich frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Allerdings beschreibt das laut Wikipedia auch Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten berichten. Nun denn, soll sich doch jeder selbst ein Urteil darüber bilden, ob mein folgender Text der Gattung Erfahrungsbericht oder Märchen angehört:

Im Jahr 2005 betrat ich zum ersten Mal das Maristenkolleg. Es machte mir Spaß, naja sagen wir mal besser „Freude“ hier zur Schule zu gehen, jedenfalls hatte ich nie das Gefühl hier fehl am Platz zu sein. Technische Fächer, vor allem die Naturwissenschaften waren dabei echt mein Ding und so ist es eigentlich klar, daß ich mir seit der 8. Klasse ziemlich sicher war, später einmal mein Abitur in Physik zu schreiben, da es mir echt Spaß machte technischen Dingen auf den Grund zu gehen und überhaupt waren für mich naturwissenschaftliche Zusammenhänge viel logischer, als irgendwelche Deutungen und Interpretationen in den sprachlichen Fächern, die mal so oder so ausfielen – je nach Betrachter. Als meine Wahl in der 10. Klasse auf Physik als Abiprüfungsfach fiel, glaubte ich zu jener Zeit noch an das Gute, an den Sieg der Logik in diesem sicheren und bestimmbaren Feld der Wissenschaften. Doch diese wohl etwas zu naive Einstellung sollte sich zumindest am Maristenkolleg als falsch herausstellen, zumindest was das W-Seminar „Vermessung und Navigation“ unter Dr. Schlüter angeht.

„Was hat das jetzt mit Jugend forscht zu tun?“, fragen sich sicherlich ein paar Leser hier; ich meine, nach immerhin 250 Wörtern in dem Text. Die Antwort lautet ganz einfach: In der 11. Klasse hörte ich zum ersten Mal davon, daß auch am Maristenkolleg ab und an Teilnehmer zu Jugend forscht „entsendet“ werden, damit diese sich durch ihre Projekte mit anderen Schülern aus der Region messen können. Jugend forscht klang, naja sagen wir mal, irgendwie cool, aufregend, das versprach Spaß zu machen!  Ich jedenfalls war dabei, ganz klar! Hier am Maristenkolleg wird das, so wie in anderen Schulen auch, so gehandhabt, daß man den betreffenden Fachlehrer dazu kontaktiert und dieser schlägt ein Thema vor, welches man dann in seiner Freizeit ausarbeitet, um damit bei dem sog. Regionalentscheid Jugend forscht anzutreten. Was hier jedoch so einfach klingt, ist echt mit einer Menge Arbeit verbunden, dessen sollte man sich schon bewusst sein. Tja, für mich ging das in Ordnung, nur ein kleines Problem hatte ich noch, nämlich, daß ich selbst ein Thema ausgesucht hatte, welches mir durch den Kopf schoss, als ich an einem langweiligen Nachmittag, während einer Physikstunde über dies und das nachgrübelte – den Zustand kennt ihr sicherlich auch 🙂

Für die Freaks unter den Lesern kommt hier die Beschreibung, alle andern dürfen gerne ein paar Zeilen überspringen. Es ging bei meiner Idee um ein Verfahren Abstände nicht durch Vergleich mit einem Meterstab oder Bandmaß und auch nicht durch Radar oder eine optische Messung z.B. durch Laser zu bestimmen, sondern durch die Messung der Laufzeit von Funkwellen. Das Problem dabei ist nur, daß man dabei sehr präzise und vor allem sehr kleine Zeiteinheiten bestimmen können muss, denn Funkwellen bewegen sich nunmal mit Lichtgeschwindigkeit also etwa 300000 km/sec von Punkt A nach B. Ich fing also an eine elektronische Schaltung zu entwickeln, die das bewerkstelligen konnte, zeigte und erklärte dies immer wieder meinen Physiklehrer. Er war zwar nicht wirklich begeistert, denn er hatte schon zwei andere Schüler mit einem „seiner Themen“ angemeldet und machte uns Nerds recht geringe Hoffnungen, ob das überhaupt was bringen würde. Aber egal! Es vergingen Wochen in denen diese Schaltung zur Laufzeitbestimmung von Funkwellen zum Zweck der Entfernungsmessung überarbeitet, verbessert und nach ausführlichen Tests immer weiter verfeinert wurde. Jetzt hatten wir einen ersten Prototypen, den wir nicht ganz ohne Stolz vorführen konnten. Zu unserer Verblüffung zeigte sich unser Physiklehrer immer weniger begeistert, das war zwar sonderbar, aber uns eigentlich auch egal. Wir wussten noch nicht weshalb, was sich jedoch bald ändern sollte.

Der Regionalentscheid bei Jugend forscht

Es kam der Tag, an dem wir zum Regionalentscheid bei Jugend forscht nach Peiting reisten. In dem Fachbereich, in welchem wir unsere „Erfindung“ eingereicht hatten, waren einige Teilnehmer anderer Schulen dabei, die auch echt was auf dem Kasten hatten, wie man so schön sagt. Das zweite Team unserer Schule bewarb sich in einem anderen Fachbereich, was ganz gut war, denn so kam erst gar kein Konkurrenzgedanke auf. Wir verfeinerten unsere Schaltung sogar noch während des mehrtägigen Wettbewerbs in zahlreichen nächtlichen Stunden und am Ende gewannen wir neben einigen Preisen und Auszeichnungen den 1. Platz im Bereich Technik und somit die Eintrittskarte zum Landeswettbewerb Jugend forscht einige Monate später und das obwohl wir nicht mit einem Sieg gerechnet hatten. Kaum zurück in der Schule mussten wir uns jedoch von unserem Physiklehrer ein paar markige Sprüche anhören, wie z.B. „das andere Team und nicht ihr hätten den Sieg verdient“ etc. Für uns nicht wirklich nachvollziehbar und teilweise schockierend. Es schien, als ob unser Lehrer sich persönlich gekränkt fühlte, dass nicht sein Thema, sondern unser Beitrag gewonnen hatte und das obwohl das andere Team im nicht konkurrierenden Bereich Physik auf den zweiten Platz kam; Erster wurde dort übrigens ein Teilnehmer mit Forschungen zur kabellosen Energieübertragung.

Im Verlauf der weiteren Monate wurde das Verhältnis zu unserem Physiklehrer immer rauer und als wir mit unserem Thema auch noch einen der vorderen Plätze im Landesentscheid bei Jugend forscht gewannen, war’s ganz aus. In fast jeder Physikstunde wurden wir seitens unserer Lehrkraft fast schon gemobbt. Es liefen sogar Wetten unter den anderen Physikkommilitonen, wie lange wir uns das gefallen lassen würden. Dennoch reichten wir unsere Arbeit als Seminararbeiten in unseren Fächern ein, auch wenn wir uns sicher waren, daß diese Arbeiten in der Luft zerrissen werden würden. Nach den ersten Gesprächen, in denen die Funktionsweise unserer Schaltung Hr. Schlüter erklärt wurde, stellte sich heraus, daß dieser nicht zu 100% die elektronische Umsetzung unseres Messprinzips zu verstehen schien. Wir hörten immer nur Sätze wie „das kann nicht funktionieren“, was uns wirklich erstaunte, denn das Gegenteil war leicht zu beweisen. Unsere Schaltung einstecken, Messungen machen und das Ergebnis ablesen – kapiert eigentlich jeder! Wir waren uns sicher, daß ein diplomierter Physiker dies auch verstehen sollte, vor allem weil sowohl im Regionalentscheid einige Physiklehrer anderer Gymnasien und die Jury selbst von dem ungewöhnlichen Messprinzip und der elektronischen Konzeption unserer Schaltung nicht nur überzeugt, sondern auch begeistert waren. Dasselbe erfuhren wir im Landesentscheid; es wurde uns sogar von anderen Wettbewerbsteilnehmer und Juroren dort geraten das zum Thema unserer Seminararbeit zu machen, denn „die 15 Punkte seien uns dabei sicher“.

Auf dem Landesentscheid interessierte sich ein Professor der TU München sehr für unser Thema (er verstand unsere Schaltung nach kurzer Zeit und fand diese genial und ermutigte uns trotz kleiner Schwierigkeiten mit unserem Physiklehrer später Elektrotechnik oder ein ähnliches Studium an der TU anzustreben) und am Ende dieses Entscheids erhielten wir neben Sachpreisen auch ein 4 wöchiges Praktikum am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Oberpfaffenhofen als Sonderpreis. Dort durften wir selbständig weitere Schaltungen entwickeln. Wir erhielten sogar Einblick in das Galileo-Projekt der Europäischen Union, n.b. das präzisere GPS der Europäer. Soetwas entschädigt für einige dumme Bemerkungen seitens unseres Physiklehrers.

Die erneute Teilnahme an Jugend forscht

In der 12. Klasse stand die erneute Teilnahme an Jugend forscht an und wir waren wieder dabei, diesmal jedoch mit einem anderen Thema. Zufälligerweise reichte Hr. Schlüter wieder eine Bewerbung eines zweiten Teams ein, ebenfalls in einem anderen Fachbereich als unserem. Wie das Jahr zuvor, fiel das Ergebnis der Juroren beim Regionalentscheid identisch aus. Das andere Team holte die Silbermedaille in Physik und wir belegten den ersten Platz im Fachbereich Technik mit einem optimierten selbstnavigierenden kognitiven autonomen Roboter, kurz OSKAR. Das brachte aber wohl das Fass bei Hr. Schlüter zum Überlaufen, jedenfalls wurde unser Thema ziemlich durch den Kakao gezogen und das, obwohl wir nach den negativen Erfahrungen in der 11. Klasse sogar den Physikkurs von Herrn Schlüter gewechselt hatten, um etwas Schärfe in dieser Angelegenheit heraus zu nehmen. Die Krönung jedoch war, daß ich meine eingebrachte Facharbeit trotz Zusage von Herrn Wesseli, daß diese dann von meinem Betreuungslehrer für Jugend forscht korrigiert werden würde, sie jedoch von Herrn Schlüter zurück erhielt mit der Bemerkung, daß die mit der Schaltung erzielten Messungen nicht mit dieser Schaltung erzeugt worden sein konnten. Ich musste das zweimal lesen, um es erfassen zu können. Da behauptet ein Physiklehrer indirekt tatsächlich, daß wir diese Messwerte frei erfunden haben? Wir hätten also komplett betrogen und das obwohl er bei einigen Vergleichsmessungen daneben stand, als wir unsere Schaltung im Maristenkolleg vorführten?

Wir kamen uns vor, wie Galileo Galilei vor dem Inquisitionsgericht im Mittelalter, als der Inquisitor behauptete die Sonne dreht sich um die Erde und nicht umgekehrt!

Resume

Mein Vertrauen in die Naturwissenschaften allgemein und die Physik im Besonderen hat in all den Jahren nie einen Kratzer bekommen; meine Ansicht und vor allem meine Achtung vor einigen wenigen Lehrern am Maristenkolleg jedoch schon und zwar erheblich. Zum Glück sind das Einzelfälle und es gibt sonst ausnahmslos gute bis sehr gute naturwissenschaftliche Lehrkräfte… und Lehrer in nicht-naturwissenschaftlichen Bereichen ebenso. Vor allem darf ich mir erlauben zu bemerken, daß ich es im Verlauf der letzten beiden Jahre mehr als heuchlerisch fand einerseits mit mir und meinem Schulfreund überall am Maristenkolleg, am Champagnatfest, auf der Homepage z.B. „Maristenschüler machen das Rennen“ zu werben, aber einem andererseits nicht nur Knüppel, sondern ganze Baumstämme zwischen die Beine zu werfen und zu hoffen, daß man strauchelt. Uns wurde seitens der anwesenden Physiklehrer beide Male zu unserem Erfolg bei Jugend forscht gratuliert, nur ein Physiklehrer brachte es nicht übers Herz und das ist menschlich betracht ein Armutszeugnis. Eine Nachfrage bei unserem Direktor zu der Thematik öffentliche Darstellung und tatsächlicher notentechnischer Bewertung brachte sogar das schockierende Ergebnis, daß sich zu dem wirklich eng begrenzten Pool der meiner Meinung nach nicht vertrauenswürdigen Lehrer am Maristenkolleg eine weitere Person aus der Führungsebene dazurechnen darf. Es sollte an einer christlichen Schule zumindest der Grundsatz „Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen“ gelten, aber vielleicht darf man fairerweise anmerken, daß dies vermutlich oder hoffentlich aus purer Unwissenheit geschah.

Die Zukunft

Für das weitere Fortbestehen des Maristenkollegs würde ich mir wünschen, daß es ganz wenigen Lehrern gelingt Persönliches aus deren Tätigkeit mit Schülern heraus zu halten, was sicherlich dazu beiträgt das Ansehen dieser Schule so wieder herzustellen, wie es vorfand, als ich vor 8 Jahren zum ersten Mal diese Schule betrat; das Kolleg hat nämlich nicht nur durch jene kleine an sich unwichtige Episode hier enormen Schaden genommen und wenn ich mir vorstelle, daß es anderen Schülern auch so erging, so ergeht oder ergehen wird, dann kann das schon dazu beitragen etwas weniger stolz zu sein diese Schule besucht zu haben… leider, muß man sagen!

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